IPMA, PMI, PRINCE2 oder HERMES: Welche Projektmanagement-Zertifizierung passt zu Dir?

Wer eine Projektmanagement-Zertifizierung sucht, landet schnell bei vier Namen: IPMA, PMI, PRINCE2 und HERMES. Alle vier sind etabliert und alle vier haben ihre Berechtigung. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen und richten sich an unterschiedliche Menschen. In diesem Beitrag vergleichen wir die vier Wege nüchtern: wer dahintersteht, was geprüft wird, welche Voraussetzungen gelten und für wen sich welche Zertifizierung lohnt.

Die kurze Antwort
Wenn Du in der Schweiz ins Projektmanagement einsteigst, ist IPMA Level D der naheliegende Start. Die Zertifizierung verlangt keine Projekterfahrung, deckt das ganze Kompetenzspektrum ab und ist international anerkannt. HERMES lohnt sich zusätzlich, sobald Du für die öffentliche Hand arbeitest.
PRINCE2 passt gut zu Organisationen, die nach dieser Methode arbeiten. Für den PMP von PMI brauchst Du mehrere Jahre Erfahrung in der Projektleitung, er kommt darum meist später und vor allem in stark international ausgerichteten Unternehmen.
Zwei Arten von Zertifizierungen
Bevor wir ins Detail gehen, hilft eine Unterscheidung, die in vielen Vergleichen fehlt. Die vier Zertifizierungen prüfen zwei verschiedene Dinge.
Kompetenzstandards: IPMA und PMI. Sie beschreiben, was eine Projektleitung können muss, unabhängig davon, nach welcher Methode ein Unternehmen arbeitet. Dazu gehören Planung und Steuerung genauso wie Führung, Kommunikation, Verhandeln oder der Umgang mit Konflikten.
Methoden: PRINCE2 und HERMES. Sie legen fest, wie ein Projekt konkret abläuft: welche Phasen es gibt, welche Rollen wer übernimmt, welche Dokumente entstehen und wer wann entscheidet. Eine Methodenzertifizierung belegt, dass Du dieses Vorgehen kennst und anwenden kannst.
Daraus folgt eine wichtige Erkenntnis: Die beiden Arten schliessen sich gegenseitig nicht aus. Viele Projektleitende kombinieren einen Kompetenzstandard mit einer Methode, etwa IPMA und HERMES oder IPMA und PRINCE2.
IPMA: der Kompetenzstandard mit vier Stufen
Die International Project Management Association ist ein internationaler Dachverband mit Mitgliedsorganisationen in vielen Ländern. In der Schweiz nimmt der VZPM die Zertifizierungen ab, der Verein zur Zertifizierung von Personen im Management. Grundlage ist der Kompetenzstandard swiss.ICB4 mit 28 Kompetenzen in drei Bereichen: Kontext, Mensch und Praxis.
IPMA zertifiziert in vier aufeinander aufbauenden Stufen. Level D ist die Einstiegsstufe, Level C richtet sich an erfahrene Projektleitende, Level B und A an Verantwortliche für komplexe Projekte und Programme. Ab Level C verlangt der VZPM Erfahrungsnachweise, einen Projektbericht und ein Interview.
Level D im Überblick:
- Keine Zulassungsbedingungen, also auch keine Projekterfahrung nötig.
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Schriftliche Online-Prüfung als Open-Book-Prüfung: drei Stunden, 60 Multiple-Choice-Fragen und 30 offene Fragen.
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Bestanden ab 60 Prozent der Punkte und mindestens einer richtigen Antwort in 23 der 28 Kompetenzen.
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Prüfungsgebühr beim VZPM: regulär CHF 900, mit Studienbestätigung CHF 440.
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Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig und wird danach über eine Rezertifizierung erneuert.
Wie solche Prüfungsfragen aussehen, siehst Du, wenn Du die FLIP!N Lernreise kostenlos startest.
Weniger bekannt ist, dass es Level D auch in einer agilen Ausprägung gibt. Neben dem «Certified Project Management Associate» vergibt der VZPM den «Certified Agile Associate» auf Grundlage der swiss.ICB4agile.
Passt zu Dir, wenn Du ins Projektmanagement einsteigst, bereits in Projekten mitarbeitest und Dein Wissen offiziell belegen willst oder eine breite, methodenunabhängige Grundlage suchst. Wie sich die IPMA-Stufen im Detail unterscheiden, liest Du im Beitrag IPMA Level D, C und B im Vergleich.
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PMI: der PMP für erfahrene Projektleitende
Das Project Management Institute stammt aus den USA und ist vor allem in international und amerikanisch geprägten Unternehmen stark verbreitet. Seine bekannteste Zertifizierung ist der Project Management Professional, kurz PMP. Wie IPMA ist PMI ein Kompetenzstandard und schreibt keine bestimmte Methode vor.
PMP im Überblick:
- Voraussetzung sind mehrere Jahre Erfahrung in der Leitung von Projekten innerhalb der letzten zehn Jahre. Mit Bachelorabschluss sind es mindestens 36 Monate, mit Abschluss auf Sekundarstufe II mindestens 60 Monate.
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Zusätzlich verlangt PMI mindestens 35 Stunden Weiterbildung im Projektmanagement.
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Die Prüfung umfasst seit Juli 2026 180 Fragen in 240 Minuten. Sie mischt klassische, agile und hybride Ansätze, wobei rund 60 Prozent der Fragen agile und hybride Vorgehensweisen betreffen.
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Für den Erhalt des Zertifikats brauchst Du alle drei Jahre 60 Weiterbildungseinheiten (PDUs).
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Die Gebühren richten sich nach Region und PMI-Mitgliedschaft. Die aktuellen Beträge findest Du direkt bei PMI.
Für Einsteigende bietet PMI den Certified Associate in Project Management (CAPM) an. Er verlangt 23 Stunden Projektmanagement-Ausbildung und keine Projekterfahrung. In der Schweiz ist er deutlich weniger verbreitet als IPMA Level D.
Passt zu Dir, wenn Du bereits mehrere Jahre Projekte leitest und in einem internationalen Umfeld arbeitest, in dem der PMP gefragt ist.
PRINCE2: die strukturierte Prozessmethode
PRINCE2 steht für «Projects in Controlled Environments». Die Methode stammt ursprünglich aus der britischen Verwaltung und ist heute weltweit verbreitet, besonders in Grossbritannien, in Europa und in Organisationen mit britischem Hintergrund. Die Zertifizierungen vergibt PeopleCert, aktuell gilt die siebte Ausgabe.
PRINCE2 im Überblick:
- Foundation: 60 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten, bestanden ab 60 Prozent, ohne Hilfsmittel. Keine Zulassungsbedingungen, das Zertifikat läuft nicht ab.
- Practitioner: 70 Fragen zu einem Fallbeispiel in 150 Minuten, bestanden ab 60 Prozent, mit dem offiziellen PRINCE2-Handbuch als Hilfsmittel. Das Zertifikat ist drei Jahre gültig.
Ein Detail ist für IPMA-Zertifizierte besonders interessant: Für die Practitioner-Prüfung brauchst Du als Voraussetzung eine Foundation oder eine gleichwertige Zertifizierung. PeopleCert akzeptiert dafür ausdrücklich auch IPMA Level D, ebenso PMP und CAPM. Mit Level D kannst Du also direkt zur Practitioner-Stufe gehen.
Passt zu Dir, wenn Dein Unternehmen oder Deine Auftraggeber nach PRINCE2 arbeiten oder Du in einem Umfeld tätig bist, in dem klare Prozesse und Rollen besonders zählen.
HERMES: der Schweizer Standard der öffentlichen Hand
HERMES ist die Projektmanagementmethode der Schweizer Bundesverwaltung. Herausgegeben wird sie von der Bundeskanzlei, aktuell in der Version HERMES 2022. Die Methode ist frei verfügbar und wird auch ausserhalb der Bundesverwaltung eingesetzt, etwa in Kantonen, Gemeinden und bei Unternehmen, die für die öffentliche Hand arbeiten.
HERMES im Überblick:
- Foundation richtet sich an Projektmitarbeitende. Die Prüfung umfasst 40 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten. Das Zertifikat ist unbeschränkt gültig.
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Advanced richtet sich an Projektleitende. Die Prüfung besteht aus zwei Teilen zu je 60 Minuten, einem Teil ohne Hilfsmittel und einem Teil mit Praxisfällen, in dem das Handbuch erlaubt ist. Bestanden ist sie mit mindestens 60 Prozent in jedem Teil. Das Zertifikat ist fünf Jahre gültig.
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Zertifizierungsstelle ist bis Ende 2026 der TÜV SÜD, ab dem 1. Januar 2027 übernimmt die Swiss Association for Quality (SAQ). Details stehen auf der Seite der Bundeskanzlei zu Ausbildung und Zertifizierung.
Passt zu Dir, wenn Du in der Bundesverwaltung, in einem Kanton, in einer Gemeinde oder bei einem Unternehmen arbeitest, das Aufträge der öffentlichen Hand umsetzt. Dort kann HERMES auch in Ausschreibungen gefordert sein.
Die vier Zertifizierungen auf einen Blick
| IPMA (Level D) | PMI (PMP) | PRINCE2 | HERMES | |
|---|---|---|---|---|
| Art | Kompetenzstandard | Kompetenzstandard | Methode | Methode |
| Herkunft | international, in der Schweiz VZPM | USA | Grossbritannien | Schweiz, Bundesverwaltung |
| Einstieg ohne Erfahrung | ja | nein (CAPM ja) | ja (Foundation) | ja (Foundation) |
| Prüfung | 3 Stunden, 60 MC und 30 offene Fragen, Open Book | 240 Minuten, 180 Fragen | Foundation 60 Minuten, Practitioner 150 Minuten | Foundation 60 Minuten, Advanced 2 × 60 Minuten |
| Schwerpunkt | 28 Kompetenzen inkl. Führung und Kontext | Kompetenzen, klassisch, agil und hybrid | Prozesse, Rollen, Steuerung | Phasen, Rollen, Ergebnisse im öffentlichen Umfeld |
| Gültigkeit | 5 Jahre | 3 Jahre mit Weiterbildung | Foundation unbegrenzt, Practitioner 3 Jahre | Foundation unbegrenzt, Advanced 5 Jahre |
Und was ist mit agilen Zertifizierungen?
Neben den vier grossen Namen gibt es zahlreiche agile Zertifizierungen, etwa für Scrum. Sie sind wertvoll, wenn Du in agilen Teams arbeitest. Für Projektleitende ersetzen sie eine breite Grundlage allerdings selten. Für das agile Arbeiten hat sich der Scrum Master von Scrum.org als Standard etabliert. Unsere Empfehlung ist darum klar: IPMA für die Grundlagen der Projektleitung, der Scrum Master für das agile Arbeiten. Zusammen bist Du für klassische, agile und hybride Vorhaben gerüstet.
In vielen Organisationen arbeiten einzelne Teams agil, während die Gesamtorganisation weiterhin mit Jahreszielen, Mehrjahresplänen und klassischen Steuerungsinstrumenten geführt wird. Wer Projekte verantwortet, muss beide Welten verstehen. Der PMP prüft darum klassische, agile und hybride Ansätze gemeinsam.
IPMA bietet neben der klassischen Zertifizierung eine eigene für Agile Leadership an.
So triffst Du Deine Entscheidung
Statt nach der «besten» Zertifizierung zu fragen, lohnt sich ein Blick auf Deine Situation. Vier Fragen helfen dabei:
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Wie viel Projekterfahrung bringst Du mit? Ohne Erfahrung sind IPMA Level D, PRINCE2 Foundation, HERMES Foundation und CAPM möglich. Für den PMP brauchst Du mehrere Jahre in der Projektleitung.
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Wo arbeitest Du oder willst Du arbeiten? In der Schweiz ist IPMA in der Privatwirtschaft wie in der Verwaltung breit verbreitet. Gleichzeitig ist das Zertifikat international anerkannt, IPMA ist in über 70 Ländern vertreten. Wer eine internationale Karriere anstrebt, ist mit IPMA also genauso gut aufgestellt. In der öffentlichen Hand zählt zusätzlich HERMES.
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Willst Du eine Grundlage oder eine Methode? Eine breite Grundlage bekommst Du mit einem Kompetenzstandard. Wenn Dein Arbeitgeber eine bestimmte Methode einsetzt, ist die passende Methodenzertifizierung die sinnvolle Ergänzung.
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Wie geht es danach weiter? IPMA wächst mit Dir über die Stufen C, B und A. Gleichzeitig öffnet Level D die Tür zur PRINCE2-Practitioner-Prüfung.
Für die meisten Einsteigerinnen und Einsteiger in der Schweiz ergibt sich daraus ein klarer Weg: zuerst IPMA Level D als breites Fundament, später je nach Arbeitsumfeld eine Methode wie HERMES oder PRINCE2 und mit wachsender Erfahrung die nächste IPMA-Stufe.
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Warum wir IPMA Level D als Einstieg empfehlen
Level D vereint drei Vorteile, die für den Einstieg entscheidend sind. Du brauchst keine Projekterfahrung, Du lernst das ganze Spektrum vom Projektauftrag bis zur Teamführung und Du erhältst ein international anerkanntes Zertifikat. Weil IPMA methodenunabhängig ist, nützt Dir das Wissen in jedem Unternehmen, egal ob dort nach HERMES, PRINCE2, Scrum oder einem eigenen Vorgehen gearbeitet wird.
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Fazit
IPMA, PMI, PRINCE2 und HERMES stehen weniger in Konkurrenz zueinander, als viele Vergleiche vermuten lassen. IPMA und PMI zeigen, was Du als Projektleiterin oder Projektleiter kannst, PRINCE2 und HERMES zeigen, dass Du eine bestimmte Methode beherrschst.
Für den Einstieg in der Schweiz bietet IPMA Level D die breiteste Grundlage, auf der sich jede weitere Zertifizierung gut aufbauen lässt. Wenn Du ausprobieren möchtest, wie sich die Vorbereitung anfühlt, starte die kostenlose Demo der FLIP!N Lernreise.
Häufige Fragen zu Projektmanagement-Zertifizierungen
Welche Projektmanagement-Zertifizierung ist die beste?
Was ist der Unterschied zwischen IPMA und PMI?
Soll ich IPMA oder PRINCE2 machen?
Brauche ich eine HERMES-Zertifizierung?
Welche Zertifizierung kann ich ohne Projekterfahrung machen?
Wie lange sind die Zertifikate gültig?
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