IPMA Level C: Voraussetzungen, Ablauf und Kosten der Zertifizierung für erfahrene Projektleitende

Wer seit einigen Jahren Projekte leitet, kommt irgendwann an den Punkt, an dem Erfahrung allein nicht mehr reicht, um sie sichtbar zu machen. Genau dafür gibt es IPMA Level C. Die Zertifizierung bestätigt, dass Du Projekte in der Praxis selbstständig führst. In diesem Beitrag zeigen wir Dir, welche Voraussetzungen gelten, wie die Zertifizierung beim VZPM abläuft, worauf die Assessorinnen und Assessoren achten und mit welchen Kosten Du rechnen musst.

Die kurze Antwort
IPMA Level C richtet sich an Projektleiterinnen und Projektleiter mit mindestens drei Jahren Erfahrung in den letzten sechs Jahren. Die Zertifizierung läuft in vier Schritten ab: Antrag mit Executive Summary Report, schriftliche Prüfung, Bericht und Interview. Geprüft wird an einem echten Projekt aus Deiner Praxis. Der ganze Prozess dauert in der Regel acht bis neun Monate und kostet beim VZPM CHF 3'200, mit einem bestehenden Level-D-Zertifikat CHF 2'900. Danach trägst Du fünf Jahre lang den international anerkannten Titel «Certified Project Manager (IPMA Level C)».
Was IPMA Level C bestätigt
IPMA zertifiziert in vier Stufen. Level D belegt Wissen, Level C belegt Handlungskompetenz. Wer Level C besitzt, übernimmt laut VZPM in einem begrenzt komplexen Umfeld Verantwortung in einer Projektmanagement-Rolle. Typisch sind Projektleitende mittelgrosser Projekte, stellvertretende Projektleitende oder Teilprojektleitende in grösseren Vorhaben.
Grundlage ist wie bei Level D der Schweizer Kompetenzstandard swiss.ICB4 mit seinen 28 Kompetenzen in den Bereichen Kontext, Mensch und Praxis. Der entscheidende Unterschied: Bei Level C zeigst Du an einem realen Projekt, wie Du die Kompetenzen angewendet hast. Den Vergleich der Stufen im Detail findest Du im Beitrag IPMA Level D, C und B im Vergleich.
Neben dem klassischen Titel «Certified Project Manager» vergibt der VZPM auf Level C auch den «Certified Agile Leader» für Führungspersonen in agilen Vorhaben. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die klassische Projektmanagement-Zertifizierung.
Die Voraussetzungen
Für die Zulassung musst Du laut Leitfaden des VZPM in den letzten sechs Jahren mindestens drei Jahre Erfahrung in einer dieser Rollen nachweisen:
- als Projektleiterin oder Projektleiter in begrenzt komplexen Projekten oder
- in einer verantwortlichen Projektmanagement-Rolle in komplexen Projekten, wobei nur die Rollen «stellvertretende Projektleitung» und «Teilprojektleitung» anerkannt werden.
Als Erfahrungsmonat zählt ein Monat, in dem Du mindestens 75 Stunden reine Managementaufgaben in Projekten geleistet hast. Das entspricht etwa einem halben Arbeitspensum. Damit steht Level C auch Personen offen, die Teilzeit arbeiten oder neben der Projektleitung andere Aufgaben haben.
Zwei der drei Jahre müssen aus dem Projektmanagement stammen, das dritte Jahr kann auch aus dem Programm- oder Portfoliomanagement kommen. In begründeten Fällen lässt sich der Betrachtungszeitraum auf bis zu zehn Jahre ausdehnen.
Ein Level-D-Zertifikat ist keine Voraussetzung. Du kannst also direkt mit Level C einsteigen, wenn Deine Erfahrung reicht.
Fehlen Dir die drei Jahre Erfahrung noch, ist IPMA Level D der passende Einstieg. Ob sich dieser Schritt für Dich lohnt, zeigt Dir der kostenlose IPMA Level D Navigator in 10 Minuten.
Das Referenzprojekt: Herzstück der Zertifizierung
Bei Level C dreht sich fast alles um ein Referenzprojekt aus Deiner Praxis. An ihm zeigst Du im Bericht und im Interview, wie Du die Kompetenzen konkret eingesetzt hast. Darum lohnt es sich, das Projekt sorgfältig auszuwählen. Laut Leitfaden sollte es diese Mindestanforderungen erfüllen:
- Abgeschlossen: Das Projekt sollte beendet sein. Ausnahmen sind auf Antrag möglich.
-
Dauer Deines Einsatzes: Du warst mindestens sechs Monate in Deiner Rolle im Projekt tätig.
-
Aktualität: Dein letzter Einsatzmonat liegt höchstens vier Jahre zurück.
- Komplexität: In der Komplexitätsbeurteilung des Zertifizierungsantrags erreicht das Projekt mindestens einen Wert von 16.
Zusätzlich gibt es drei Richtgrössen, die sich gegenseitig ausgleichen können: ein Projektumfang von rund 250 Personentagen ohne Deinen eigenen Aufwand, rund 200 Stunden Deines eigenen Aufwands in der Projektleitungsrolle und die direkte oder indirekte Führung von etwa fünf Personen.
Der Ablauf in vier Schritten
Schritt 1: Antrag und Executive Summary Report
Mit dem Zertifizierungsantrag weist Du Deinen beruflichen Werdegang, Deine Projekterfahrung und Referenzpersonen nach und füllst eine Selbstbeurteilung aus. Erfüllst Du die Zulassungsbedingungen, reichst Du den Executive Summary Report ein. Darin beschreibst Du Dein Referenzprojekt, seine Ausgangslage und die Treiber seiner Komplexität.
Wichtig ist der Blickwinkel: Gefragt sind die Herausforderungen aus Sicht des Projektmanagements, nicht die technische Komplexität der Lösung. Eine Assessorin oder ein Assessor prüft anhand des Reports, ob das Projekt für Level C geeignet ist. Reicht die Beschreibung nicht, kannst Du eine zweite Version einreichen.
Schritt 2: die schriftliche Prüfung
Die Prüfung dauert zwei Stunden und findet wie bei Level D online als Open-Book-Prüfung unter Aufsicht statt. Statt vieler Einzelfragen arbeitest Du mit einigen Minicases, zu denen Du jeweils mehrere Fragen beantwortest. Bestanden hast Du ab 50 Prozent der möglichen Punkte. Fehlen Dir höchstens 8 Prozent der nötigen Punkte, wird die Prüfung zusätzlich von einer zweiten Person bewertet. Eine Wiederholung ist einmal möglich.
Schritt 3: der Bericht
Im Bericht beschreibst Du mindestens 23 Kompetenzen Deiner Wahl anhand konkreter Situationen aus Deinem Referenzprojekt. Es gibt keine Pflichtkompetenzen für den Bericht und keine Vorgabe, wie viele Kompetenzen aus welchem Bereich stammen müssen. Den Schritt bestehst Du, wenn mindestens 60 Prozent der gewählten Kompetenzen als genügend bewertet werden, bei 23 Kompetenzen also 14. Ist der Bericht ungenügend, darfst Du eine zweite Version einreichen.
Schritt 4: das Interview
Das Interview dauert höchstens 90 Minuten und ist ein Fachgespräch mit zwei Assessorinnen oder Assessoren. Es stützt sich auf Dein Referenzprojekt und spricht rund 18 Kompetenzindikatoren an, davon mindestens je vier aus den Bereichen Kontext, Mensch und Praxis. Vier Kompetenzen müssen im Bericht oder im Interview zwingend vorkommen: Führung, Anforderungen und Ziele, Planung und Steuerung sowie Stakeholder. Bestanden hast Du, wenn mindestens 60 Prozent der angesprochenen Indikatoren genügen, also 11 von 18. Auch das Interview kannst Du einmal wiederholen, dann mit neuen Assessorinnen und Assessoren.
Die STAR-Methode: so erzählst Du Deine Praxis
Im Bericht und im Interview zählt, was Du in Deinem Projekt tatsächlich getan hast. Der VZPM arbeitet dafür mit der STAR-Methode. Jedes Beispiel aus Deinem Projekt sollte drei Elemente enthalten:
-
Situation und Aufgabe: Wie war die Ausgangslage, was war Dein Auftrag oder Ziel?
-
Handlung: Welche Optionen hattest Du und was hast Du konkret unternommen?
- Ergebnis: Was hat Dein Vorgehen bewirkt und was hast Du daraus gelernt?
Ein Beispiel: «Im Projekt fehlte nach drei Monaten die Zustimmung der Fachabteilung zum Lösungskonzept» beschreibt die Situation. «Ich habe die wichtigsten Stakeholder einzeln befragt, ihre Anforderungen priorisiert und einen Workshop zur gemeinsamen Entscheidung moderiert» beschreibt die Handlung. «Das Konzept wurde zwei Wochen später freigegeben, ohne den Endtermin zu gefährden» beschreibt das Ergebnis. Wer seine Beispiele so aufbaut, liefert den Assessorinnen und Assessoren genau das, was sie bewerten können.
Wann Du das Zertifikat erhältst
Die Bewertungen aus Prüfung, Bericht und Interview werden bis zur Gesamtbeurteilung zusammengeführt, wobei der Bericht stärker zählt als die Prüfung und das Interview am stärksten. Du erhältst das Zertifikat, wenn Du
- alle drei Schritte Prüfung, Bericht und Interview einzeln bestanden hast,
-
über den ganzen Prozess mindestens 80 Prozent der Kompetenzen nachgewiesen hast (23 von 28) und
-
dabei mindestens zwei Kompetenzen aus dem Bereich Kontext, fünf aus dem Bereich Mensch und acht aus dem Bereich Praxis abdeckst.
Eine Kompetenz gilt als nachgewiesen, wenn mindestens die Hälfte ihrer Kompetenzindikatoren genügt.
Dauer und Kosten
Laut VZPM dauert der Zertifizierungsprozess in der Regel acht bis neun Monate und muss innerhalb von 18 Monaten ab der Zulassung abgeschlossen sein. Für den Bericht solltest Du sechs bis acht Wochen einplanen, für den Executive Summary Report etwa einen Monat.
Die Gebühren des VZPM setzen sich aus den einzelnen Schritten zusammen:
| Schritt | Erstzertifizierung | mit bestehendem Level D |
|---|---|---|
| Antrag | CHF 200 | CHF 200 |
| Executive Summary Report | CHF 400 | CHF 400 |
| Schriftliche Prüfung | CHF 600 | CHF 500 |
| Bericht | CHF 800 | CHF 700 |
| Interview | CHF 1'200 | CHF 1'100 |
| Total | CHF 3'200 | CHF 2'900 |
Die Reduktion für Level-D-Inhaberinnen und -Inhaber gilt, wenn Dein Level-D-Zertifikat gültig oder höchstens sechs Monate abgelaufen ist. Eine zweite Version des Executive Summary Reports kostet CHF 200, eine zweite Version des Berichts CHF 400. Wiederholst Du die Prüfung oder das Interview, zahlst Du den gleichen Preis noch einmal. Nach fünf Jahren kostet die Rezertifizierung CHF 600, ein allfälliges Interview im Zweifelsfall weitere CHF 600. Die aktuelle Preisliste findest Du in den Downloads des VZPM.
Typische Stolpersteine
Aus dem Aufbau der Zertifizierung ergeben sich einige Stellen, an denen es häufig hakt:
- Das falsche Referenzprojekt. Ein Projekt, das zu klein ist oder zu lange zurückliegt, bringt Dich schon beim Executive Summary Report ins Stocken. Prüfe die Komplexität früh mit der Tabelle im Zertifizierungsantrag.
-
Technik statt Management. Viele beschreiben im Report die Komplexität der Lösung. Gefragt ist die Komplexität der Projektführung: Stakeholder, Ressourcen, Termine, Risiken und Veränderungen.
-
Zu allgemeine Beispiele. Sätze wie «Wir haben die Stakeholder einbezogen» lassen sich nicht bewerten. Konkrete STAR-Beispiele mit Deinem eigenen Beitrag schon.
-
Die Pflichtkompetenzen vergessen. Führung, Anforderungen und Ziele, Planung und Steuerung sowie Stakeholder müssen im Bericht oder im Interview vorkommen.
-
Unterschätzter Zeitaufwand. Bericht und Report entstehen neben dem Job. Plane feste Schreibfenster ein, statt auf freie Abende zu hoffen.
Von Level D zu Level C
Viele Projektleitende starten mit Level D und gehen später den nächsten Schritt. Das hat mehrere Vorteile. Mit einem gültigen Level-D-Zertifikat sparst Du beim VZPM CHF 300. Du kennst das Prüfungsformat bereits. Auch die Begriffe der swiss.ICB4 sind Dir vertraut, was Dir im Bericht und im Interview hilft.
Der Leitfaden sieht ausserdem einen Ausweg vor: Wirst Du im Prozess für Level C nicht zum nächsten Schritt zugelassen oder erhältst Du das Zertifikat am Ende nicht, kannst Du immer noch das Zertifikat IPMA Level D erwerben. Dafür reichst Du den Antrag für Level D ein und legst die entsprechende Prüfung ab.
Du möchtest zuerst mit Level D starten? Alles zur Vorbereitung findest Du auf der Seite zur FLIP!N Lernreise IPMA Level D. Ausprobieren kannst Du sie kostenlos.
Vorbereitung mit FLIP!N
Die FLIP!N Lernreise IPMA Level C/B verbindet das Online-Lernen mit persönlichem Coaching für die Dokumente und das Interview. Du erhältst Videos und Tipps zum Executive Summary Report und zum Bericht, Feedback zu Deinen Dokumenten von erfahrenen Coaches, ein Interview-Coaching und das KI-Prüfungstraining mit der KI-Mentorin SAM für die schriftliche Prüfung. Zusätzlich hast Du Zugriff auf alle Inhalte der Lernreise IPMA Level D, um Grundlagen aufzufrischen.
Die Lernreise IPMA Level C/B gibt es in drei Paketen: Essentials für CHF 1'900, Comfort mit fünf Coachings für CHF 2'800 und Premium mit acht Coachings für CHF 3'300. Hast Du Level D oder C bereits bei FLIP!N absolviert, reduzieren sich die Preise auf CHF 1'700, CHF 2'600 und CHF 3'100.
Für die schriftliche Prüfung gilt auch bei Level C die FLIP!N Erfolgsgarantie. Sie greift, wenn Du Mastery Level 5 erreichst, also in allen sieben Testprüfungen mindestens 80 Prozent. Danach trittst Du innerhalb von zwei Monaten beim VZPM an.
Bestehst Du die schriftliche Prüfung dann nicht, erstatten wir Dir die Kosten der Lernreise. Für Bericht und Interview gibt es keine Garantie, weil das Ergebnis dort von Deinem eigenen Projekt und Deiner Umsetzung abhängt. Mehr zum Angebot findest Du auf der Seite zur Lernreise IPMA Level C/B.
Fazit
IPMA Level C ist die richtige Zertifizierung, wenn Du bereits mehrere Jahre Projekte leitest und diese Erfahrung offiziell bestätigen willst. Der Prozess ist aufwendiger als bei Level D, weil Du Deine Kompetenzen an einem echten Projekt nachweist.
Wer sein Referenzprojekt sorgfältig wählt, seine Beispiele nach der STAR-Methode aufbaut und genug Zeit für Report und Bericht einplant, hat gute Chancen, den Titel «Certified Project Manager» in acht bis neun Monaten zu erreichen. Wenn Du wissen möchtest, wie die Vorbereitung bei FLIP!N für Dich aussehen kann, nimm Kontakt mit uns auf. Wir beraten Dich gerne unverbindlich.
Stehst Du noch am Anfang Deiner Projektlaufbahn, hilft Dir der kostenlose Navigator bei der Entscheidung für den Einstieg mit Level D.
Häufige Fragen zu IPMA Level C
Welche Voraussetzungen gelten für IPMA Level C?
Welche Projekterfahrung zählt für IPMA Level C?
Wie lange dauert die Zertifizierung IPMA Level C?
Was ist der Executive Summary Report?
Wie läuft das Interview bei IPMA Level C ab?
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